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Samen der Humanisierung

In dieser Ausgabe des UISG-Bulletins, der letzten des Jahres 2018, möchte wir bereits Vorschau halten auf das Thema unserer Vollversammlung 2019: „Säfrauen prophetischer Hoffnung“ #UISGPlenary2019.
Hoffnung säen bedeutet vor allem, Samen der Humanisierung in alle Lebensbereiche zu bringen. Die Hoffnung entsteht im Herzen der Frauen und Männer, und die wichtigste Aufgabe eines jeden und aller Menschen ist es, gemeinsam in Menschlichkeit zu wachen.
Gott selbst ist Mensch geworden, hat unsere menschliche Natur angenommen, ist humanisiert worden.
Als Frauen, die einem so nahen und solidarischen Gott geweiht sind, besteht unsere erste Sendung darin, für unsere eigene Menschlichkeit und die der anderen Sorge zu tragen, die Würde der Menschen zu fördern und einen reinen Blick auf ihnen ruhen zu lassen, dem die Liebe innewohnt und der frei ist von jedem Egoismus und Eigennutz.
Es ist unsere Mission, den inklusiven Humanismus des Evangeliums in die Welt zu tragen, dem die Würde eines jeden Menschen am Herzen liegt und der sich bemüht, sie zu vor jenen heimtückischen Angriffen zu schützen, die oft aus dem Herzen des Menschen entstehen: Vorurteile, Diskriminierungen aller Art, Machtmissbrauch, Unterdrückung, Versklavung…

Dr. Angela Rinaldi
Kirche und Machtmissbrauch.
Die geistliche und die hierarchische Macht und ihr Bezug zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger
Die Fragen, die den Machtmissbrauch innerhalb großer Institutionen wie der katholischen Kirche betreffen, müssen in der spirituellen und akademischen Reflexion einen zentralen Platz einnehmen.
Hier sollen einige Elemente des Machtmissbrauchs im relationalen Bereich untersucht werden. Wie wir im Folgenden sehen werden, findet dieser Missbrauch innerhalb von Beziehungen statt, bei denen die Personen sich auf unterschiedlichen Ebenen befinden und der „Stärkere“ (oder „Machthaber“) versucht ist, die eigene Position auszunutzen, um die andere Person zu beherrschen.
Das kann in jedem Bereich der Institution Kirche geschehen: zwischen Erwachsenen und Minderjährigen, wie im Fall des sexuellen Missbrauchs, zwischen geweihten Personen und Laien, zwischen Lehrern und Schülern, zwischen Pfarrer und Gläubigen, zwischen Bischöfen und Priestern, zwischen Priestern und Ordensfrauen, ebenso wie zwischen der gesamten Institution und dem ganzen Gottesvolk. Es geschieht also in allen Bereichen, in denen es ein „hierarchisches“ Gefälle zwischen den Subjekten gibt.

P. Carlos del Valle SVD
Die Herzen formen als Freunde im Herrn
Die Menschlichkeit Jesu, sein Lebensstil ist das absolute Gegenteil jeder Herrschaft. In der Not nimmt der Mensch zur Kraft Gottes Zuflucht. Jesus richtet uns auf die Schwachheit Gottes aus: eines Gottes, der leidet, weil er liebt. Wir suchen Gott im Spektakulären. Die größte Offenbarung Gottes ist dort, wo er am tiefsten verborgen ist: am Kreuz, in seinem eigenen Schmerz und in dem der Welt. Jesus verbindet Dienen und Macht miteinander. Es gibt einen Gegensatz zwischen dem allmächtigen Gott und Jesus zu Füßen seiner Jünger. Jesus beseitigt den Gegensatz durch sein konkretes Wirken: Die Macht wird ausgeübt in der dienenden Liebe. Der Allmächtige beugt sich nieder, mit einem Handtuch und einer Waschschüssel. Stellen wir uns eine Gesellschaft vor, in der die Macht zum Wohl anderer genutzt würde. Wir alle haben Macht: Geld, Bildung, Kraft, Autorität, Gesundheit, Begabung, Information, Ruhm, Zuneigung. All diese Fähigkeiten und Ressourcen in den Dienst der Schwachen stellen.

Sr. Simona Brambilla MC
Die weibliche Dimension der Mission
Die inkulturierte Evangelisierung kann nicht auf den interkulturellen und interreligiösen Dialog, dessen Herzstück, verzichten. Wenn die Mission eine Frage der verwandelnden – und zwar in der Tiefe, bis zu den Wurzeln – Beziehung ist, dann muss das Evangelium die innersten und lebenswichtigsten Schichten der Kultur und der Person erreichen. Aber die Grundwerte des Volkes, die Mythen, die symbolischen Gestalten, die tragenden Metaphern zu erreichen ist keine Frage der Technik und auch nicht nur des Zusammenlebens. Es ist vor allem ein Geschenk des Anderen und des anderen, die die Freiheit haben, den Missionar einzuladen oder nicht einzuladen, die Schwelle der oberflächlichen Kenntnis von Sitten und Gebräuchen zu überschreiten, um zum lebendigen Herzstück der Identität des Volkes zu gelangen. Und es ist auch Aufgabe des Missionars, im Bewusstsein um die eigene Unwissenheit über die Welt des anderen, dessen Einladung, in sein Haus einzutreten, mit Achtung, Empathie, Dankbarkeit, Staunen und dem Wunsch zu lernen, anzunehmen.

Sr. Marie Laetitia Youchtchenko OP
„Die Ernte ist groß…“
Als Ordensfrauen apostolischen Lebens auf den fünf Kontinenten haben wir alle, über unsere verschiedenen Charismen hinaus die Aufgabe, andere zu trösten: Wir verkündigen unsere Berufung zur Freude, indem wir auf unsere Gewissheit vertrauen, „dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ und dass der Auferstandene „die Welt besiegt“ hat. Tief vereint von derselben Leidenschaft verkünden wir die Liebe Gottes, die uns leben lässt: „Einen Menschen zu evangelisieren bedeutet, zu ihm zu sagen: ‚Auch du wirst von Gott geliebt im Herrn Jesus.‘ Und nicht nur, es zu sagen, sondern wirklich daran zu glauben. Und nicht nur daran zu glauben, sondern sich diesem Menschen gegenüber so zu verhalten, dass er spürt und entdeckt, dass es in ihm etwas gibt, das gerettet ist, etwas Größeres und Edleres als er vermutet hätte, und so zu neuem Selbstbewusstsein gelangt. Das bedeutet, ihm die die Frohe Botschaft zu verkündigen.“

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